Vereinseinsatz am Försterstein in Bonnrode
Unser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Denkmäler und Orte der regionalen Geschichte zu erhalten. Dazu gehört nicht nur die Pflege solcher Erinnerungsorte, sondern auch die Spurensuche: Welche Geschichte verbirgt sich hinter einem Stein, einer Inschrift oder einem fast vergessenen Platz im Wald?
Bevor die eigentliche Pflege beginnen konnte, musste der Försterstein überhaupt erst wiedergefunden werden. Einige Vereinsmitglieder machten sich deshalb auf die Suche, ermittelten die genauen Geodaten und folgten den Spuren in den Wald. Erst so gelang es, den bereits stark überwucherten Gedenkstein aufzuspüren.
Doch warum steht mitten im Wald ein Gedenkstein für einen Förster? Die Antwort führt zurück in das Jahr 1920 – zu einer historischen Kriminalgeschichte, die die Region erschütterte.
Förster Rudolph aus Oberbösa war auf seiner täglichen Streife im Wald unterwegs, als er zwei Wilddiebe auf frischer Tat ertappte. Kurz zuvor hatten sie einen Hirsch erlegt – und sie waren nicht bereit, sich freiwillig zu stellen. Die Situation eskalierte. Ein Schuss fiel, Rudolph wurde schwer getroffen, und die Täter glaubten, ihn tödlich verletzt zurückgelassen zu haben.
Doch Rudolphs Lebenswille war stark. Mit letzter Kraft schleppte er sich bis ins nahe Bonnrode. Die Dorfbewohner brachten ihn am nächsten Tag zum Arzt nach Greußen. Leider erlag Förster Rudolph dort seinen schweren Verletzungen.
Der Mord erschütterte die Region und zog das Interesse der Behörden auf sich. Ein Kriminalist aus Weimar, Otto Busdorf, wurde mit der Untersuchung des Falls beauftragt. Mit akribischer Genauigkeit sicherte er am Tatort Gipsabdrücke von Schuhen, deren Sohlen mit Kupfernägeln besetzt waren – ein typisches Merkmal der Mansfelder Bergleute.
Die Spur führte den Ermittler nach Berka. Dort gelang es ihm, die passenden Schuhabdrücke zu identifizieren und somit einen entscheidenden Hinweis auf die Täter zu erhalten. Nun begannen die Verhöre: Die Verdächtigen – Vater und Sohn – wurden festgenommen und in SDH inhaftiert.
Um Licht in das Dunkel der Tat zu bringen, schleuste der Kriminalist sich als Gefangener in die Zelle ein. Mit Geschick und Geduld erfuhr er dort weitere Details zum Verlauf des Verbrechens, die zur Überführung der Täter beitrugen. Somit war der Mord an Försterstein Rudolph aufgeklärt, und die beiden Männer, die schon länger für Wilddieberei bekannt waren, wurden zur Rechenschaft gezogen und ins Gefängnis gebracht. Sie bekamen 12 bzw.14 Jahre Haft.
Jahre vergingen. Erst 1936 wurden die Mörder wieder auf freien Fuß gesetzt. So endete die bewegende und dramatische Geschichte um den Förster Rudolph, dessen Tod zur Aufklärung eines der spektakulärsten Kriminalfälle der Region beitrug.
Uns ist es wichtig, als Freunde des Waldes und der Förster mit unserer Arbeit an diese Geschichte zu erinnern – und dafür zu sorgen, dass der Försterstein nicht erneut in Vergessenheit gerät.
Mehrere Arbeitseinsätze waren notwendig, um den Stein von wilden Büschen freizuschneiden und zu säubern. Im vorderen Bereich pflanzten wir Sukkulenten an und richteten das Beet davor neu ein.
Der Försterstein soll als Gedenkstätte erhalten bleiben – als stiller Erinnerungsort im Wald und als Mahnung, regionale Geschichte nicht dem Vergessen zu überlassen.
Die Pflege weiterer Gedenkorte ist in den nächsten Wochen geplant.
Wir danken Sebastian, Peter G. Silvia, Peter M, Uwe L und unsere neugewonnenen Mitglieder Michaela und Toralf
Uwe Lumm

